Was haben ein Rennfahrer und ein Papagei mit der Umsatzsteuer zu tun?

Moss? Kea? Moment, ist der eine nicht eine britische Formel 1-Legende?

Sir Stirling Moss, dem trotz aller Erfolge der Weltmeistertitel versagt blieb? Und Kea, hört sich das nicht stark nach einer Papageienart an? Beides ist richtig. Viel wichtiger aber: MOSS und KEA stehen für eine äußerst komplizierte und umfangreiche Neuregelung im Umsatzsteuerrecht.

Denn am 01.01.2015 beginnt insbesondere

für jene Unternehmer eine neue Zeitrechnung, die „sonstige elektronische Dienstleistungen“ nicht nur ins Inland, sondern auch ins EU-Ausland verkaufen – wenn es sich bei diesen Kunden um Privatpersonen handelt.

„Sonstige elektronische Dienstleistung“? Was soll denn das sein?
Kurz gesagt: Fast alles, was im Internet Geld kostet. Davon ausgenommen sind allerdings Lieferungen von Waren, die im Internet lediglich bestellt und dann physisch geliefert werden.



So gehören zu den „sonstigen elektronischen Dienstleistungen“ u.a. folgende Angebote:
Das Bereitstellen von Webseiten, Webhosting, das Fernwarten von Programmen und Ausrüstungen,

das Bereitstellen von Software und deren Aktualisierungen,
(Einsprüche, Vertretung vor dem Finanzgericht)

das Bereitstellen von Bildern
(z.B. Gewähren des Zugangs zu oder das Herunterladen von Desktop-Gestaltungen, Fotos, Bildern und Bildschirmschonern),

das Bereitstellen von Texten und Informationen,

das Bereitstellen von Datenbanken
(z.B. Suchmaschinen, Internetverzeichnisse),

das Bereitstellen von Musik (z.B. Gewährung des Zugangs zu oder das Herunterladen von Musik auf PCs, Handys usw. und die Gewährung des Zugangs zu oder das Herunterladen von Kingles, Ausschnitten, Klingeltönen und anderen Tönen),

das Bereitstellen von Filmen und Spielen, einschließlich Glücksspielen und Lotterien,

das Bereitstellen von Sendungen und Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, Kultur, Kunst, Sport, Wissenschaft und Unterhaltung,

das Anbieten von Fernunterrichtsleistungen,

Online-Versteigerungen über automatisierte Datenbanken und mit Dateneingabe durch den Empfänger, die kein oder nur wenig menschliches Eingreifen erfordern
(z.B. Online-Marktplätze, Online-Einkaufsportale),

Internet Service-Pakete, die mehr als nur die Gewährung des Zugangs zum Internet ermöglichen und weitere Elemente umfassen (z.B. Nachrichten, Wetterbericht, Reiseinformationen, Spielforen, Web-Hosting, Zugang zu Chatlines usw.)



Was gilt bisher?
Lädt beispielsweise eine niederländische Privatperson eine Software von einem deutschen Anbieter über das Internet herunter, so gilt diese Leistung derzeit noch als in Deutschland ausgeführt und ist damit auch in Deutschland zum üblichen Steuersatz von 19% umsatzsteuerpflichtig.

Was passiert ab dem 01.01.2015?
Ab dem neuen Jahr gilt die ausgeführte Leistung auf einmal aufgrund der Neuregelung des § 3a UStG als im Land des Empfängers der Leistung ausgeführt! Das hat zur Folge, dass der Unternehmer auch die jeweilige ausländische Umsatzsteuer (in unserem Beispiel: 21 % niederländische BTW) in Rechnung stellen muss.

Da die Umsatzsteuer dann auch wieder abgeführt (an den Staat bezahlt werden muss), führt dies dem Grundsatz nach dazu, dass sich ein Anbieter von oben genannten Leistungen in jedem Land, von dem aus Privatpersonen seine Dienste bezahlen, umsatzsteuerlich registrieren lassen und dort selbstständig seine Umsätze anmelden muss.

Um diesen Verwaltungswahnsinn einzudämmen, wird nun der sogenannte MOSS (Mini-One-Stop-Shop), der auf gut Deutsch auch „kleine einzige Anlaufstelle“ (KEA) genannt wird, geschaffen. MOSS/KEA ist also ein Portal im Internet, über das der Steuerpflichtige alle Umsätze, die er in Mitgliedsstaaten der EU ausführt, zusammengefasst melden kann.

Die Teilnahme an MOSS/KEA ist für den Unternehmer zwar nicht verpflichtend, jedoch dringend zu empfehlen, da er sonst in jedem Land von dem aus auch nur eine einzige Privatperson Geld für seine Leistungen an ihn gezahlt hat, eine Umsatzsteuererklärung abgeben muss.

Will der jeweilige Unternehmer an MOSS/KEA teilnehmen, muss er sich bis zum Beginn des Besteuerungszeitraums, im ersten Schritt also bis zum 01.01.2015, auf der Internetplattform des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt) registrieren und bekommt dann – soweit noch nicht vorhanden ¬¬ – eine Umsatzsteueridentifikationsnummer zugeteilt. Bis zum 20. Tag nach jedem Quartalsende muss der Unternehmer nun für jeden EU-Staat seine Umsätze berechnen und elektronisch an das BZSt übermitteln. Die ausländische Umsatzsteuer wird dann an das zuständige örtliche Finanzamt abgeführt und von da aus auf die jeweiligen Mitgliedsstaaten verteilt.

Problematisch dabei ist natürlich, dass der jeweilige Unternehmer die Umsatzsteuersätze und – zumindest dem Grunde nach – auch die jeweiligen nationalen Vorschriften des anderen Landes bezüglich der Rechnungsstellung beachten muss. Allerdings führt zumindest die Nichtbeachtung der jeweiligen ausländischen Vorschriften hinsichtlich der Ordnungsmäßigkeit einer Rechnung in der Regel zu keinerlei Konsequenzen, da der jeweilige Rechnungsempfänger als Privatperson nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist.


Was ist jetzt zu tun?
Klären, ob elektronische Dienstleistungen an Privatpersonen im Ausland erbracht werden.

Entscheiden, ob MOSS/KEA in Anspruch genommen werden soll oder eine Einzelregistrierung in den jeweiligen Ländern erfolgen soll.

Anmeldung auf dem Portal des BZSt für MOSS/KEA.

Umstellung der Rechnungsschreibung für Kunden im EU-Ausland – insbesondere die ausländischen Umsatzsteuersätze müssen integriert werden.

Abgabe der ersten Umsatzsteueranmeldung über MOSS/KEA im Zeitraum 01.04. bis 20.04.2015.



Und wie immer gilt:
Sollten Sie sich unsicher fühlen, ob Sie „sonstige elektronische Dienstleistungen“ erbringen oder nicht wissen, wie Sie sich für MOSS/KEA anmelden, sollten Sie sonstige Hilfe bei der Abwicklung benötigen:
Sprechen Sie uns an, wir sind gerne für Sie da!







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